Geschichte zum Nachmachen

 Ich besuchte eine Freundin und überreichte ihr ein kleines Gastgeschenk in einer gelben Papiertüte. Als wir wieder abreisten überreichte sie mir die Tüte mit einigen Flyern zurück. Bei näherem Betrachten befand sich auch noch ein Zettel mit einer sehr lesenswerten Geschicht ein meiner Tüte. Vielen Dank an Anna Egger dafür.

Ich wünsche euch eine gute Woche

Sylvia

Die gelbe Tüte von Anna Egger

 

Ein Mann saß auf einer Parkbank, traurig und bedrückt. Er dachte über sein Leben nach und darüber was alles schief lief. Ein  kleines Mädchen, das durch den Park schlenderte, sah den Mann, bemerkte seine Stimmung und setzte sich zu ihm auf die Bank. Sie fragte ihn: warum bist du so traurig? Der Mann antwortete geknickt: Ach, weißt du, ich habe keine Freude am Leben. Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll, alles und alle haben sich gegen mich verschworen und nichts läuft so, wie es soll.

 

Das Mädchen schaute verwundert: Wo hast du denn deine gelbe Tüte? Darf ich sie mal sehen?

 

Der Mann verstand nicht und erwiderte: Was für eine gelbe Tüte? Ich habe nur eine schwarze. Schweigend gab er dem Mädchen die schwarze Tüte. Behutsam öffnete die Kleine die schwarze Tüte und sah hinein. Das Mädchen erschrak und sagte entsetzt: Das sind ja schlimmer Erlebnisse, Alpträume, Unglück, Schmerz und Leid! Der Mann entgegnete traurig: das ist ebenso, da kann ich nichts machen.

 

Hier, schau, sagte die Kleine und reichte dem Mann eine gelbe Tüte. Etwas unsicher öffnete der Mann diese, und er sah ganz viele schöne Dinge: Sonntage, glückliche Stunden, Lachen, Freude, Unbeschwertheit und Zufriedenheit.

 

Er wunderte sich, da das Mädchen noch jung war und fragte: Wo ist deine schwarze Tüte? Die Kleine antwortete keck: die werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht mehr darum!

 

Ich denke, es ist viel schöner und sinnvoller, meine gelbe Tüte immer wieder zu füllen. Da stopfe ich so viel wie möglich hinein und immer, wenn ich Lust dazu habe oder traurig bin, schaue ich hinein. Dann geht es mir immer gleich besser. Wenn ich dann alt bin, habe ich eine ganz volle Tüte und ich kann mir viele schöne Erinnerungen anschauen.

 

Der Mann war verblüfft. Und als der Mann über die Worte der Kleinen nachdachte, war diese bereits verschwunden. Neben ihm lag eine gelbe Tüte auf der Bank. Er öffnete sie zaghaft und sah, dass sie fast leer war, nur ein herzliches Gespräch mit dem kleinen Mädchen war darin.

Der Mann lächelte und stand auf. Er nahm die gelbe Tüte mit. Auf dem Heimweg entsorgte er seine schwarze Tüte im nächsten Müllkübel

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Kommentare: 1
  • #1

    Angie Purnhagen (Dienstag, 18 August 2020 22:55)

    Ganz wunderbar bildlich die Wichtigkeit und Bedeutsamkeit der Kraft der Gedanken dargestellt.

    Bin begeistert.