Konfirmation – eine Entscheidung wegen der guten Bezahlung?

Lassen sich Jugendliche heute wegen des guten Stundenlohnes konfirmieren?

 

Vor 2 Wochen wurde meine Tochter konfirmiert und immer wieder hörte ich die Aussage, dass sich die Konfirmanden überwiegend wegen des Geldes konfirmieren lassen (vielleicht mit einem Zwinkern, aber nicht ganz von der Hand zuweisen). Irgendwie ließ mich diese Aussage nicht los und ich habe mich und auch meine Kinder gefragt, ob das wirklich so ist.

 

Ich dachte wieder an meine eigene Konfirmation. Warum habe ich das damals gemacht? War irgendwie gar keine Frage – alle meine Freunde sind hingegangen, also ich auch. „Man“ macht das halt mit 12 Jahren, man geht zum Konfirmandenunterricht und lässt sich konfirmieren.

 

Unser Pastor damals war noch „vom alten Schlag“. Wir mussten viel auswendig lernen und den Unterricht habe ich nicht als wirklich spannend empfunden. Im Gottesdienst war es anders. Bei uns gab es sogar einen Konfirmandengottesdienst und der Pastor dort war jung, die Lieder modern und mit Gitarre begleitet. Das gefiel mir.

Über das Geld habe ich damals  nicht nachgedacht. Zudem gab es bei mir nicht viel. Unsere Familie ist klein und wir waren auf der Feier mit vielleicht insgesamt 10 Leuten. Es war kein guter Stundenlohn für das nervige auswendig lernen, was ich immer gehasst habe.

 

Unsere Tochter haben wir vor zwei Jahren gefragt, ob sie konfirmiert werden möchte und eine Summe Geld hätte sie auch so nach zwei Jahren auf ihr Konto bekommen, auch ohne Konfirmation.

 

Was meinen Stundenlohn betrifft wäre das wesentlich einfacher gewesen. Jede Mutter weiß wieviel Arbeit in einer Konfirmation steckt und das Geld, das die Kinder bekommen ist ansatzweise das, was wir Eltern in Essen, Getränke, Deko und festliche Kleidung investieren. Genaugenommen könnte ich sagen, bezahlen wir unsere Kinder dafür, dass sie sich konfirmieren lassen.

 

Allerdings, die Gemeinschaft, die Wertevermittlung, der Glaube an eine höhere Macht – für mich war das immer wichtig und so habe ich das auch an meine Kinder weitergegeben. Bis zu ihren ca. 10/11 Lebensjahr haben wir jeden Abend zusammen gebetet, uns bedankt für das was toll war an jenem Tag.(Ein schönes Ritual, wie ich finde)

 

Ich freute mich auch darauf wieder regelmäßig in die Kirche zugehen. Wir haben in unserer Gemeinde das große Glück einen sehr guten Pastor zuhaben. Er einen besonderen Draht zu den jungen Menschen, sprich Konfirmanden und auch die Gottesdienste haben etwas von Leichtigkeit.

Daher habe ich mich gefreut, als meine Tochter mit einem klaren „Ja“ geantwortet hat.

 

Denken Jugendliche also tatsächlich darüber nach wieviel Geld am Ende dabei raus springt?

Ich glaube die wenigsten tun es.

 

Ich denke der Hauptgrund ist, weil sie dazu gehören wollen (unser Thema der 1. Einheit Ermutigungstraining – Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht ein Gefühl der Zugehörigkeit).

 

Mit ihren Freunden zusammen sein wollen. Mitreden wollen bei Unternehmungen wie dem „Konfitag“, Konfirmandenfreizeiten (die Flotte) und anderen Aktionen.

 

Ich bin auch überzeugt davon, dass Jugendliche auch hin gehen, weil sie an Gott glauben. Es ist vielleicht nicht mehr so cool, dass offen zu sagen und dann sagt man, weil ich mit „auf die Flotte“ will oder weil es am Ende Geld gibt.

 

Meiner Tochter haben die zwei Jahre jedenfalls gut gefallen. Wer weiß, wer sich später von den Jugendlichen doch im Gottesdienst wiederfindet - oft Jahre später – und nach „mehr“ (Ruhe, Sinn, Werten, Gemeinschaft…) sucht. Das „Marketing“ (es kann Spaß machen in die Kirche zugehen) rund um die Konfirmationsfeier war jedenfalls wirklich gut und die freue mich schon auf die nächsten zwei Jahre mit meinem Sohn.

Ein schönes Pfingstfest - übrings auch ein kirchlicher Feiertag, auch wenn die wenigsten noch wissen warum - wünscht euch

 

Susanne

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