Giraffen - Frieden

Im Land der Giraffen lebte eine kleine  quirlige Giraffe.

Irgendwann in ihrem Leben wurde sie immer unzufriedener und machte sich auf den Weg zu ihrem Glück.

Sie sprach mit vielen anderen Giraffen und eines war bei allen Giraffen gleich, wenn sie glücklich waren. Sie hatten Giraffenfreundschaften und Giraffenlieben, viele sogar ganze Giraffennetzwerke. Ohne andere Giraffen ging es nicht.

Noch etwas stellte die Giraffe fest: Traurig waren oft die Giraffen die im Streit mit anderen waren oder, noch schlimmer, sich nicht mal selbst mochten. Mitten bei ihrer Suche nach weiteren Möglichkeiten passierte etwas was die Welt veränderte…

 

Es wurde bekannt, dass eine große dunkle Wolke über das Giraffenland kommen sollte und die würde das ganze Land ins Unglück stürzen. Bevor die kleine Giraffe sich noch viele Gedanken machen konnte, war die Wolke auch schon da und es wurde finster im Giraffenland.

Das Giraffenkomitee machte sich große Sorgen um das Land und sie beschlossen, dass erstmal alle Giraffen zuhause bleiben sollten und das taten die Giraffen auch, denn alle wollten so schnell wie möglich die Sonne wieder sehen und das Giraffenkomitee hatte einige Obergiraffen die sich schon länger mit dunklen Wolken beschäftigten und auskannten.

Die Zeit verging und man überlegte wie man die dunkle Wolke am besten bekämpfen konnte. Da Giraffen bekanntlich groß sind, kam man zu der Überzeugung, wenn alle zusammen die Wolke wegschieben würden, dann kommt auch die Sonne wieder raus. Wichtig war aber das alle Giraffen mitmachen! Nur gemeinsam würde das gelingen!

Leider hatte noch keiner so richtig Erfahrungen mit dem „Wolken schieben“. Die Prognosen standen gut, aber es waren viele Fragen offen. Da man nichts sehen konnte in den Wolken, stolperten viele Giraffen, manche brachen sich sogar ein Bein oder schlimmeres. Die meisten bekamen es aber gut hin und schließlich war es für das große Ziel, dass die Sonne wieder kam.

Tag für Tag wurden es mehr Giraffen die schoben und irgendwann war die große Wolke weg und die Sonne kam wieder durch. Leider war der Erfolg nicht von Dauer und es kam eine neue Wolke, noch größer und dunkler als die erste.

Das Giraffenkomitee war verzweifelt. Schließlich wollten sie nur, dass es allen gut geht.

Manche Giraffen waren mittlerweile skeptisch, ob schieben die Lösung ist. Schließlich hatte das vorher so noch keiner probiert. Sie hatten Angst sich ein Bein zu brechen und vielen Giraffen ging es nicht gut nach der Schiebeaktion. Es kamen immer wieder neue Wolken und brachten Finsternis. Es musste doch noch andere Lösungen geben? Immer mehr Giraffen wollten nicht schieben oder hatten das schieben satt. Es brachte einfach nichts. Obwohl sie schoben, mussten sie in ihren Häusern bleiben und die Sonne blieb aus.

 

Das Komitee war sich allerdings sicher: Schieben ist die einzige Lösung!! Nur so werden wir irgendwann wieder die Sonne sehen und wer nicht schiebt, verweigert sich dem Gemeinschaftsgedanken. Außerdem würden Nichtschieber irgendwann da unten keine Luft mehr bekommen oder es ohne Sonne nicht überleben. Das was sogar  schon vorgekommen und versetzen das Giraffenland in große Angst.

Keiner wusste noch was richtig ist und das schlimmste war, dass Schiebergiraffen und Nichtschiebergiraffen sich immer mehr beschimpften. Teilweise vergaßen sie vor lauter Hass, weil jeder sich im Recht fühlte, die finstere Wolke.

Die kleine quirlige Giraffe beobachte das alles um sich herum und sie wurde ganz traurig, wenn sie sah wie die Giraffen immer hasserfüllter wurden.

Sie beobachte die Wolke und hatte den Eindruck, dass die Wolken durch diesen Hass immer dunkler wurden. Sie wusste ja selbst nicht was richtig war, aber das die Giraffen so miteinander umgingen, dass tat ihr im Herzen weh, weil sie ja mittlerweile wusste wie wichtig Giraffenfreundschaften sind und diese gingen jetzt Stück für Stück kaputt.

Also zog sie mutig, trotz Verbot, von Haus zu Haus und hörten sich mit großem Interesse die Nöte der Giraffen an.

Die waren ganz verschieden. Manche hatten große Angst, dass die Sonne nie wiederkommt, wenn nicht endlich alle schieben. Andere wiederum wollten anderen Lösungen finden, weil sie Angst hatten was alles bei dieser neuen Schiebetechnik passieren könnte.

Jede Giraffe konnte plausibel erklären warum schieben sinnvoll oder nicht sinnvoll war. Wieder andere wollten auf eine weitere Technik warten die, nach ihrer Meinung, sicherer sein könnte.

Die kleine Giraffe konnte sie alle verstehen. Jede hatte auf ihre Weise Recht.

Die meisten hatten tatsächlich Angst und bei manchen war die Angst aus der Verzweiflung heraus, ohne Sonne zu leben oder den Zwang schieben zu müssen, in Hass umgeschwenkt.

Als die kleine quirlige Giraffe nun die ganzen Gründe kannte ging sie erneut von Haus zu Haus. Die Türen wurde freudig geöffnet für die kleine Giraffe, weil sie so geduldig zuhörte, immer mit einer freundlichen Stimme sprach und so manche verzweifelte Giraffe fest in den Arm nahm.

Diesmal war es ihr wichtig, den Giraffen mehr über die einzelnen Entscheidungen der Schieber und Nichtschieber Giraffen zu erzählen. Mit viel Geduld und Begeisterung für ein gutes Miteinander kam immer ein bisschen mehr Verständnis unter den Giraffen zu Tage.

Die kleine Giraffe, die jetzt schon länger gelernt hatte das Gute erkennen, schaute in den Himmel und jedes Mal, wenn sie Verständnis (für die andere Seite) in einer Giraffe geweckt hatte, erschien ein kleiner Regenbogen am Himmel. Es wurden immer mehr Regenbögen und trotz der dunklen Wolke wurde die Giraffen Welt darunter immer heller und bunter.

Die kleine Giraffe war stolz! Sie erkannte welche Fortschritte die Giraffen gemacht hatten und dadurch kehrte wieder Freude und Lachen in die Giraffenwelt. Es wurde wieder hell! Die dunklen Wolken verloren immer mehr ihre Kraft und so wie die die Beziehungen der Giraffen wieder besser wurden kam auch die Sonne wieder zum Vorschein.

Die Giraffen wurden immer selbstverantwortlicher und fanden ihren Weg aus der Dunkelheit, ob mit schieben oder anderen neuen Lösungen die sie gemeinsam erarbeiten.

Ja, und auch das Giraffenkomitee hatte viel in dieser Zeit gelernt. Es war beeindruckt von dem Weg der kleinen Giraffe und hörte mehr auf die Sorgen und Nöten ihres Volkes.

  

 

Sie waren alle eine Gemeinschaft und die konnte keiner mehr zerstören.

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